Meine Geschichte

Trauma, Heilung und Hoffnung

Mein Name ist Markus Hänni. Ich lebe in der Schweiz.

Seit meiner Geburt lebe ich mit Mukoviszidose (CF), einer unheilbaren Stoffwechselkrankheit.

Meine Lunge war immer wieder von schweren Infektionen betroffen, und mein Alltag war geprägt von Anspannung, Angst und Krankenhausaufenthalten.

Über Jahrzehnte benötigte ich täglich mehr als 25 Tabletten und musste zusätzlich drei Stunden Atem- und Inhalationstherapie machen.

Mein Körper lebte in einem ständigen inneren Alarmzustand:

„Werde ich morgen wieder krank?“
„Muss ich erneut ins Krankenhaus?“
„Muss ich meine Pläne wieder aufgeben?“
„Wird sich mein Zustand jemals wieder stabilisieren?“

Bis zu meinem 40. Lebensjahr verbrachte ich insgesamt vier Jahre im Krankenhaus.

Immer wieder Infektionen. Immer wieder die gleiche Ohnmacht.

Dann kam ein Wendepunkt: das Medikament Trikafta (Kaftrio).

Es stoppte die schweren Infektionen vollständig.

Seitdem musste ich nicht mehr stationär ins Krankenhaus.

Körperlich frei – innerlich gebunden

Physisch war ich frei – doch innerlich blieb ich gefangen.

Mein Körper hatte gelernt, in ständiger Alarmbereitschaft zu leben.

Diese Anspannung war ein Schutzmechanismus.

Als die reale Bedrohung verschwand, blieb die Angst als Schatten zurück –
nicht immer bewusst, aber im Körper gespeichert.

Besonders vor Ferien oder neuen Situationen traten teils starke körperliche Symptome auf.

Mein Verstand wusste: Ich bin gesund.

Doch mein Körper lebte noch in der Vergangenheit.

Das Verstehen begann

Zunächst führten wir die Symptome auf die CF zurück.

Doch medizinische Abklärungen ergaben keine klare Erklärung.

Erst nach und nach wurde mir bewusst:

Viele der Symptome waren psychosomatisch – Ausdruck von Angst und Trauma, die mein
Körper über Jahre gespeichert hatte.

Ich erkannte: Mein Nervensystem brauchte Heilung.

Ich hatte überlebt – aber mein Körper wusste es noch nicht.

Wer eine Panikattacke erlebt hat, kennt dieses Gefühl:

„Man stirbt tausend Tode – und doch lebt man weiter.“

Der Körper erlebt Bedrohung, wo keine mehr ist.

Es ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Hinweis auf ein Nervensystem, das zu lange
im Überlebensmodus war.

Ein neuer Umgang

Ich begann, meine Körpersignale immer besser zu verstehen und einen achtsamen
Umgang mit ihnen zu entwickeln.

So konnte ich die Symptome einordnen und den Prozess der Heilung mit
Selbstannahme, Geduld und innerer Hinwendung sowie meiner persönlichen spirituellen
Verbindung in Gang setzen.

Um meinem Trauma zu begegnen

Ich suchte bewusst nach einer passenden Erfahrung, die mir half, meiner Angst zu begegnen.

Ich wollte nicht einfach irgendwohin reisen, um einem Hobby nachzugehen oder mich
abzulenken.

Ich sehnte mich nach einer Erfahrung, die mein Herz füllt –
nach Begegnungen, nach Nähe zu Menschen, nach dem Eintauchen in eine andere Kultur
und nach einem Ort, der meinem inneren Weg entspricht und meinen Horizont erweitert.

Meine Ehefrau brachte die Idee mit Kambodscha ins Spiel.

Dort gibt es das ICF Cambodia, das wir über unsere ICF-Gemeinde in Bern seit Jahren
kennen und unterstützen – auch durch unser dortiges Patenkind.

Diese Verbindung machte den Unterschied.

Kambodscha war für mich kein beliebiges Reiseziel, sondern ein Ort mit Bedeutung und
Tiefe.

Ich entschied mich bewusst, diese Reise allein anzutreten.

Nicht als Mutprobe und nicht, um mir etwas zu beweisen, sondern um meinem Inneren zu
zeigen:

„Du bist sicher.
Du darfst dich dem Leben wieder öffnen.“

Allein zu reisen bedeutete für mich, präsent zu bleiben, Verantwortung zu übernehmen und
meinem Nervensystem Schritt für Schritt neue Erfahrung zu ermöglichen.

Ich begegnete Menschen, die trotz schwieriger Lebensumstände Hoffnung lebten.

Jede Begegnung, jedes Gespräch, jede neue Erfahrung half mir, im Hier und Jetzt zu sein und
alte Traumata auf sichere, selbstbestimmte Weise zu konfrontieren.

Ich erkannte:

Trauma verliert an Macht, wenn wir ihm bewusst begegnen –
mit Achtsamkeit, Selbstvertrauen und positiver Erfahrung – und, für mich, im Licht meines
Glaubens.

Die Verbindung zu ICF Cambodia bot Orientierung, Beziehung und Unterstützung, die mein
Herz tief berührten.

Schritt für Schritt wurde mir klar:

Heilung geschieht durch bewusste Begegnung, Selbstwirksamkeit und Vertrauen –
und Angst verliert an Einfluss, wenn wir ihr mit Präsenz und Mut begegnen.

Heilung, Spiritualität und Jesus

Parallel zu dieser Erfahrung nutzte ich:

• stärkende innere Zusprüche
• Atemübungen
• psychotherapeutische Unterstützung
• Wissen über Trauma
• meinen Glauben an Jesus

…um Schritt für Schritt Sicherheit, Ruhe und Balance zwischen Körper und Geist
wiederherzustellen.

Heilung ist kein Ziel, sondern ein Weg.

Jesus kennt in den biblischen Erzählungen Angst, Verlassenheit und Schmerz.

In seinem Leiden am Kreuz wird im christlichen Glauben ein tiefes Zeichen von Mit-Leiden
und Verbundenheit mit menschlichem Leid gesehen.

Wenn ich meine Angst im Gebet oder im inneren Dialog vor Gott bringe, kann sich mein
Erleben verändern – oft leise und schrittweise.

Dabei kann sich innerer Druck lösen und mehr Ruhe und innere Weite entstehen.

Das Gebet eröffnet mir einen Raum, in dem ich Angst wahrnehmen, verarbeiten und
integrieren kann – im Zusammenspiel von Gedanken, Emotionen und Körperempfindungen.

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“
(Bibel: Matthäus 11,28)

So entsteht ein ganzheitliches Erleben, das ich als Verbundenheit von Herz, Körper und
Seele verstehe.

Was mich heute leitet

Heute weiss ich:

Heilung bedeutet nicht, dass alles gut ist,
sondern dass ich dem Leben wieder vertrauen kann.

Meine Geschichte hat mich gelehrt:

• Körpersignale ernst zu nehmen
• Angst nicht zu bekämpfen, sondern zu verstehen
• Verantwortung für meinen inneren Zustand zu übernehmen

Glaube, Wissen und Erfahrung gehören für mich zusammen.

Daraus ist eine Haltung gewachsen, die trägt –
im Leben, im Glauben und in der Begegnung mit anderen Menschen.

Ein paar behutsame Impulse

Auf meinem eigenen Weg habe ich erfahren, dass Heilung oft in kleinen, bewussten
Schritten geschieht.

Was Menschen stärkt, kann unterschiedlich sein. Für mich waren unter anderem diese
Dinge hilfreich:

• bewusst zu atmen und im Moment anzukommen
• Gedanken und Gefühle mit vertrauten Menschen zu teilen
• sich selbst mit Geduld zu begegnen
• stärkende innere Zusprüche zuzulassen
• Hoffnung Raum zu geben, auch wenn sie leise ist
• im Glauben oder Gebet einen Ort von Ruhe und Halt zu finden

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